Dienstag, 28. Mai 2013

Jetzt geht es mit der SchnOERrer-Jagd los!


Um das Ziel zu erreichen, kann so manches Kunststück helfen.
Foto: flickr/CC-BY-SA/das sabrinchen
Neue Woche, neues Thema, neue Aufgabe. Bei #COER13 dreht sich gerade alles um die Finanzierung von OER-Projekten. Gestern hatten wir, wieder einmal, eine wertvolle und sehr gut durchgeführte online-Veranstaltung (warum nennt man sie nicht einfach "Webinare"?). Als Marketingfachfrau interessierte mich dabei vor allem die Frage, wie mache ich Umsatz mit Dingen, die nichts kosten. OER-Materialien bedeuten freier Zugang. Das heißt - oder auch nicht (mehr dazu erfahren wir am Mittwoch) - die Materialien kosten nichts, damit jeder sie nutzen kann.
Ich bin seit 38 Jahren im Marketing tätig, doch ein Rezept, wie mache ich Geld ohne, dass andere bezahlen, ist mir noch nicht begegnet.
Hut ab vor Martin Ebner, der sehr fundiert und mit wirklich stichhaltigen Berechnungen die unterschiedlichen Finanzierungsmodelle für OER-Projekt vorgestellt hat. Aber ehrlich - der Goldesel war nicht dabei.
Nehmen wir zuerst die Variante "Refinanzierung durch zusätzliche Leistungen": Das Prinzip heißt, die Materialien (OER) gibt es gratis und wenn man zusätzliche Leistungen will, z.B. eine gedruckte Version oder eine App oder zusätzliche Materialien, dann muss man einen festen Preis zahlen.
Die Kalkulation sah nicht schlecht aus. Was ich aber vermisst habe, waren die Kosten, die entstehen, wenn man die zusätzliche Leistungen generiert. Eine App macht auch keiner umsonst und beim Druck sind Nebenkosten fällig. Was bleibt also übrig? Ist es nicht nur Refinanzierung durch andere, kostenverursachende Leistungen?

Variante zwei: Spenden sammeln - also schnOERren :-). Ein User soll freiwillig und nach eigenem Ermessen einen Beitrag für die OER-Materialien spenden. Klasse Sache, wenn es nicht die, vielleicht nicht ganz allgemeine, Geiz- und Vorurteil-Mentalität wäre. Erstens: die meisten haben vielleicht vor, etwas zu spenden, wollen aber zuerst das Material sichten und genauer kennenlernen. Das dauert und wenn es geschafft ist, hat man längst den guten Vorsatz, etwas zu spenden, vergessen. Zweitens: Man weiß ja nie, was mit dem Geld passiert. Wenn schon bei großen Organisationen wie Unicef oder Unesco die Menschen skeptisch sind, wie das Geld verwaltet wird, wie soll es bei einem kleinen, unbekannten Projekt werden? Außerdem, wer kennt schon Flattr? Wer vertraut Paypal? Die Hemmschwelle, richtig gutes Geld zu spenden, scheint leider unüberwindbar zu sein.
Weitere Modelle mit Sponsoren oder Investoren können mit viel Glück funktionieren, das Eis ist aber sehr dünn.
Was bleibt ist Werbung und damit würden wir wieder bei der klassischen, monetären  Wertschöpfung auf dem freien Markt. Immerhin ist es nichts Neues - Google und Facebook machen es prima vor. Aber passt es, OER und Werbung? Keine Ahnung, ich gehe eher emotionslos und nicht ideologisch an die Sache heran. Wenn das Ziel stimmt, muss man bei dem Weg nicht päpstlich als der Papst sein. Das hat uns schon Robin Hood vorgemacht: nehme den Reichen weg und verteile an die Armen.
So gesehen geht "wikiHow", die ich in meinem letzten Beitrag vorgestellt habe, den sicheren Weg.
Und als Marketingfachfrau gebe ich zu, sicher ist sicher ;-).