Montag, 1. Juli 2013

Nachtrag zu OER-Finanzierung

Damit die Kasse stimmt.
Foto: CC-BY-NC-SA/Chris.Jeriko, flickr
Im vierten Teil des #COER13 ging es um die Finanzierung von OER. Dazu habe ich zwar schon einen Beitrag geschrieben, doch heute möchte ich noch etwas nachlegen. In meiner Funktion als E-Learning-Managerin erstelle ich Konzepte für diverse E-Learning Anwendungen in Unternehmen. Dabei spielen Kosten eine sehr wichtige Rolle. Klar, sie sollen möglichst niedrig gehalten werden, auch wenn jeder weiß, dass an Qualität und Funktionalität nicht gespart werden soll.
Ohne jetzt ein konkretes, echtes Projekt vorstellen zu wollen und auch nicht dürfen ;-), versuche ich eine Kalkulation für eine E-Learning-Einheit mit ca. 30 Minuten Lerndauer darzustellen.
Nehmen wir mal an, es handelt sich um ein interaktives Modul, das mit einem open source Programm, z.B. Moodle erstellt wird. Dabei bleiben die Kosten für die Anpassung der Software unberücksichtigt.
Für 30 Minuten interaktives Lernen werden ca. 15 bis 20 "Bildschirmseiten" benötigt. Auf jeder Seite gibt es entweder Text, Bild oder eine interaktive Übung. Der Grad der Interaktivität sollte bei ca. 30% liegen, das heißt, man braucht mind. 5 Interaktionen innerhalb des Lernmaterials. Auf aufwendige Video-Drehs will ich in diesem Fall verzichten.
Das Lernmaterial und die interaktiven Übungen müssen verfasst und produziert werden. Dabei muss der Inhalt auf die didaktischen Anforderungen des Mediums E-Learning angepasst werden.

Um diese Aufgabe zu bewältigen, kann mit ca. 20 Arbeitsstunden gerechnet werden. Der Stundensatz für einen selbstständigen bzw. freiberuflichen Content-Entwickler dürfte im Schnitt bei ca. 75,00 Euro liegen. Das ergibt reine Kosten für die Inhalterstellung von 1.500 Euro für 30 Minuten Lerneinheit. Hosting, Provider und sonstige fixe Kosten bleiben dabei unberücksichtigt.
Fünfzehnhundert Euro sind ein Batzen Geld und genau das wäre die Investition für eine recht kurze OER-Lerneinheit.
Ich denke, es ist nicht unmöglich, diese Summe durch Spenden oder Sponsoren wieder reinzubekommen. Einfach wäre es auf keinem Fall. Refinanzierung durch Werbung setzt voraus, dass die Plattform bzw. Webseite, auf der die OER-Materialien zu finden sind, ein gutes Ranking hat. Denn nur auf Seiten mit hohem Traffic macht Werbung überhaupt Sinn.
Mein Fazit:
Der sicherste Weg für die Finanzierung von OER-Materialien führt über Mäzene, d.h. Kapitalgeber, die keine direkte Gegenleistung erwarten. Bei Projekten, die Allgemeinbildung betreffen kann es gut funktionieren. Voraussetzung ist, ein potenzieller Mäzen muss davon erfahren, was OER überhaupt ist und überzeugt sein, dass solche Projekte einen wirklichen Nutzen für die Menschheit haben.
Damit wären wir beim Thema PR für OER, das bei diesjährigem COER nicht näher betrachtet wurde. Vielleicht wäre es eine Anregung für nächstes Jahr?