Donnerstag, 26. September 2013

wbv goes #OER

Bertram Salzmann auf der #OERde13.
Foto: CC-BY-SA-3.0, Hedwig Seipel
Auf der #OERde13 in Berlin nahm ich an der Session "OER aus der Verlagssicht" mit Bertram Salzmann, Geschäftsführer von UTB, teil. Seine Ausführungen waren sehr interessant und basierten auf einem Kalkulationsschema an dem deutlich wurde, dass die Kosten für den Inhalt nur ca. 10% des Endpreises eines Buches ausmachen. Das bedeutet, dass der wirtschaftliche Gewinn aus den Verlagsleistungen rund um das Buch resultiert. In der anschließenden Diskussion ging es vor allem darum, ob ein Verlag sich OER überhaupt leisten kann und will. Und wenn ja, welche neue Geschäftsmodelle dabei entstehen können oder müssen. UTB gibt bereits OER-Materialien heraus, jedoch keine Bücher, sondern nur Zusatzmaterialien wie Arbeitsblätter oder Begleittexte.

Leider hat niemand, auch ich nicht, während der Session gewusst bzw. erwähnt, dass es einen anderen Verlag gibt, der  offensiv das OER-Parkett betritt. Erst nach der Konferenz entdeckte ich, dank einer Nachricht von Sandra Schön, der Herausgeberin von #L3T, dass wbv (W.Bertelsmann Verlag, Fachverlag und Mediendienstleister) ein OER-Fachbuch im Programm hat. Es handelt sich um "Leben erzählen - Leben verstehen" von Marianne Horsdal vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung. Die wissenschaftlich verfassten 202 Seiten des Buches stehen unter CC-BY-SA-3.0 Lizenz und können kostenlos als PDF heruntergeladen werden.

Doch das Buch ist nicht die einzige OER-Spur des Verlages. Ende 2012 ging wbv-open-access.de an den Start. Hier werden wissenschaftliche Texte und Forschungsergebnisse frei und kostenlos jedem interessierten Leser zur Verfügung gestellt. Sie sind CC-lizenziert, um ihre legale Verbreitung zu erleichtern. Die meisten Publikationen dürfen auch verändert werden, weil sie unter CC-BY-SA stehen. Schade, dass manche Institutionen sich doch noch absichern wollen und lieber auf CC-BY-NC-ND zugreifen. Ob Materialien, die weder bearbeitet, noch für kommerzielle Zwecke eingesetzt werden dürfen, den Namen OER verdienen, darüber wird nicht nur in Fachkreisen heiß diskutiert. Schade, dass ausgerechnet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bei ihrer Studie "Bildung auf einen Blick 2013" sich für diese umstrittene Lizenzierung entschieden hat.


Nun bleibt natürlich die Fragen offen, wie sich die OER-Materialien für den Verlag rechnen können. Im kurzen Gespräch, das ich auf der "Zukunft Personal" in Köln mit Regina Dostal, Vertreterin der wbv-Redaktion, geführt habe, war mir schnell klar: Auch wbv kann nicht zaubern und versucht verschiedene Wege zu realisieren. OER-Publikationen sind ein Teil der gesamten Verlagsstrategie und können unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht isoliert bewertet werden. Der Verlag sieht in jedem Fall gute Entwicklungschancen für OER, wenn Wissenschaft und Verlage enger miteinander kooperieren. Genau das ist auch Thema einer Veranstaltung auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse.